Hier findet ihr Infos zu meinen Kurzgeschichten 

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Diese span­nen­de Anthologie erscheint 

Im Mai 2022 bei Harper Collins.

Mörderische Kurzgeschichten aus 

Deutschlands Norden.

Mein Tatort ist: Friedrichskoog,

Mein Titel: »Fatale Heimkehr«

Freibeuter der Lüfte …
 
Eine Möwe von der Größe eines Zwergschnauzers lan­det auf dem Poller direkt neben mei­nem Tisch.
Zuerst rich­tet ihr Blick sich schein­bar des­in­ter­es­siert, doch kame­ra­wirk­sam in die Ferne. Ich kom­me also auf mei­ne Kosten. Es ist ein beein­dru­cken­des Bild, schnee­wei­ßes Gefieder, ein schar­fer Schnabel und kla­re gel­be Augen (viel­leicht ein ganz klein wenig ste­chend). Folgsam zücke ich die Kamera (also im Geiste, tat­säch­lich das Handy …).
Doch dann kommt Bewegung in die Möwe, die hier schein­bar für ein Foto oder gar Gemälde posiert. Sie hat mich mit kur­zen Seitenblicken ein­zu­schät­zen ver­sucht, das habe ich wohl bemerkt. Ich beschlie­ße abzuwarten.
Ein kur­zer Augenkontakt, dann pas­siert es – plötz­lich macht sie einen Satz auf den Tisch. Unter ihren, für einen Moment bei­na­he aus­ge­brei­te­ten, Flügeln, ver­schwin­det die Tischplatte. Mit ihr zusam­men ver­schwin­den außer­dem zwei VERPACKTE Grossini aus dem Korb vor mir.
Am Boden neben mir ist end­gül­tig Schluss mit vor­neh­mer Zurückhaltung – sie zer­legt die Verpackungen, bis die Grossini förm­lich herausplatzen.
Nachdem sie fer­tig ist, bekom­men die Tauben auch ihren Teil und machen sich über die Krümel her.
Und ich? Ich den­ke über Evolution nach, und die Rolle, die wir Menschen dabei spielen.
Brav samm­le ich die lee­ren Verpackungen ein, damit die Kanäle, neben der leer­ge­fisch­ten Lagune, nicht auch noch schmutzig(er) werden.

 

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Und nun zur: Tour de Mord

Zum 25. Jubiläum der Mörderischen Schwestern in 2021, haben wir, Carola Christiansen, Präsidentin des Netzwerks, und 

Mareike Fröhlich, Schatzmeisterin, eine Anthologie herausgegeben.

25 Autorinnen, 25 Tatorte im Alpenraum – 

mör­de­risch span­nen­de Geschichten von Mörderischen Schwestern.

Erschienen im Benevento Verlag. 

(Meine Geschichte spielt übri­gens in St. Anton)

Großartig unter­stützt wur­den wir von unse­ren Mörderischen Schwestern Fenna Williams (Verlagsfindung, kre­ieren eines Exposés), Petra K. Gungl (alle recht­li­chen Fragen), sowie

Laura Gambrinus (Korrektorat).

Hier bekommt ihr einen Eindruck von den Herausgeberinnen!

Auch dies, eben­so wie das Cover, gestal­tet von 

©Claudia Meitert.

©Claudia Meitert

Bestellung Autorenwelt Nun könnt ihr die Anthologie mit mei­ner zwei­ten Kurzgeschichte erwer­ben! Sie ist im

Leinpfad Verlag erschie­nen, Herausgeberinnen:
Fenna Williams und Petra Kacerovsky-Gungl.

Diese Anthologie ist eben­falls als Hörbuch erhältlich!

Der Titel ist: In 18 Morden um die Welt.

Meine Geschichte heißt: Ghana in schwarz-weiß.

 

©Ato A. Blankson Aikins_20210108

Meine ers­te Kurzgeschichte ist im Gmeiner Verlag erschie­nen, Herausgeber der Anthologie sind Lutz Kreutzer und 

Uwe Gardein.

Folgender Kurzkrimi ist am 5. Dezember 2018 im Krimi-Adventskalender von MarieBastide erschienen

Die Wohnung – von Carola Christiansen

 

Sie saß auf dem Sofa, die Füße exakt par­al­lel neben­ein­an­der auf der Auslegware, die Knie fest zusam­men­ge­drückt. Ihre Stricknadeln flo­gen. Sie erzeug­ten ein unab­läs­si­ges lei­ses Klicken.

 

Er saß bewe­gungs­los auf dem Sessel. Die Zeitung hat­te er sin­ken las­sen. Sein Gesicht war zu einer miss­mu­ti­gen Maske erstarrt. Die Augen fun­kel­ten bös­ar­tig dar­in. Das Geräusch ihrer Stricknadeln mach­te ihn wahn­sin­nig. Er muss­te an Loriot und die Geschichte mit dem Frühstücksei den­ken. Ein ein­zi­ger Satz hat­te sich ihm ein­ge­prägt, und er wie­der­hol­te ihn wie ein Mantra: Irgendwann brin­ge ich sie um…. Er knüll­te den Zettel in sei­ner Faust zusammen.

 

Während die Wolle sich zwi­schen ihren Händen zu einer Socke ver­form­te, dach­te sie dar­an, dass sie in einer Woche ihren 60. Hochzeitstag fei­ern wür­den. 60 Jahre mit die­sem bor­nier­ten Scheusal! Hoppla, jetzt hat­te sie die Farben falsch auf­ge­nom­men! Sie trenn­te die letz­ten Reihen auf. Warum hat­te sie es nicht geschafft, sich zu tren­nen? Sinnlose Fragen: Warum? Wieso? Weshalb? Sie dach­te an den Zettel in ihrem Ärmel und seufzte.

 

Die jun­ge Frau leg­te eine Hand auf ihren nicht mehr ganz so fla­chen Bauch. Noch gut fünf Monate, dann war es soweit! Gnädig ertrug sie sei­ne Zärtlichkeiten. Obwohl sie lang­sam unge­dul­dig wur­de. Er hat­te den Kopf an ihrer Brust ver­gra­ben und strei­chel­te ihr Gesicht. Sie seufz­te und sah auf die Designer-Wohnzimmeruhr. Dazu muss­te sie ihre Position auf dem Sofa etwas ver­la­gern. Die Hand auf ihrer Wange hielt in der Bewegung inne. Er hob den Kopf, such­te ihren Blick. Sie ver­zog das Gesicht zu einem beru­hi­gen­den Lächeln und drück­te sei­nen Kopf zurück. Sie hat­ten noch Zeit.

Ihre Gedanken began­nen zu wan­dern. Spätestens von dem Augenblick an, als sie die bei­den Alten in ihrer Wunschwohnung auf­ge­sucht hat­ten, war klar gewe­sen, dass die nicht so bald und schon gar nicht frei­wil­lig aus­zie­hen wür­den. Sie seufz­te. Es war ein­fach nicht fair! Diese Wohnraumsituation! Da waren sie, ein erfolg­rei­ches Paar! Er ein gefrag­ter Webdesigner, sie eine Bloggerin mit meh­re­ren Tausend Followern. Und was nütz­te ihnen das? Sie erwar­te­ten Nachwuchs und wür­den schon bald eine grö­ße­re Wohnung brau­chen! Wie soll­ten sie die fin­den? Ein Leben außer­halb der Großstadt kam für sie nicht infra­ge. Wie soll­te sie den nagel­neu­en Porsche-Kinderwagen über unbe­fes­tig­te Dorfstraßen zer­ren? Und, schlim­mer noch, wer wür­de sie sehen? Sie wür­de zwi­schen schmut­zi­gen Windeln und Babybreis zugrun­de gehen – und nie­mand wür­de es auch nur bemerken!

Nein, rede­te sie sich ein, es war völ­lig in Ordnung, dem Tod ein wenig auf die Sprünge zu hel­fen! Letztendlich – was hat­te man mit über 80 schon noch von sei­nem Leben? Warum konn­ten die­se stör­ri­schen Alten es nicht ein­se­hen und end­lich abkrat­zen?! Wenn sie schon nicht aus­zie­hen wollten!

 

Blaulicht ver­zerr­te die Nacht. Ein altes Ehepaar lag zer­schmet­tert auf dem Boden vor dem Mietshaus. Mindestens eben­so rät­sel­haft war der Tod des jun­gen Ehepaares in der Wohnung der alten Herrschaften. Wie sich spä­ter her­aus­stell­te, hat­ten sie ver­gif­te­ten Champagner getrun­ken. Die jun­ge Frau leb­te noch, war aller­dings ins Koma gefal­len. Fünf Monate und vier Tage spä­ter, wur­de sie von einem gesun­den Kind ent­bun­den. Danach wur­den ihre lebens­er­hal­ten­den Maßnahmen abgeschaltet.

 

Das Ehepaar fass­te sich an den Händen. Sie hielt behut­sam das Bündel mit dem win­zi­gen Säugling. Die Adoption war nicht ganz ein­fach gewe­sen, da sie bei­de schon fast 40 Jahre alt waren. Aber wich­tig war nur, dass es geklappt hatte!

Und dann war auch noch, völ­lig über­ra­schend, die­se Wohnung frei geworden….