Das zweite Buch

Ich freue mich sehr, dass der Verlag Ellert & Richter aus Ottensen, mein Buch ver­le­gen wird!
Voraussichtlicher Erscheinungstermin ist  Anfang 2019 .  

Und da ist er nun! Der Link zum Buch!

Raetselhafte Frau

Titel und Cover wei­chen von die­ser Vorlage ab! Das aktu­el­le Layout fin­det ihr unter dem oben­ste­hen­den Link! (Übrigens der ein­zi­ge Link, den es auf mei­ner Website gibt!)

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…und jetzt span­nen­de Unterhaltung beim Lesen der ers­ten Seiten! Der Text wur­de inzwi­schen leicht modi­fi­ziert!

Leseprobe unter dem Arbeitstitel:

Die mys­te­riö­se Schriftstellerin

 

Die Frau stapf­te durch den ver­las­se­nen Park. Es war weder beson­ders durch­dacht noch emp­feh­lens­wert, sich an die­sem ein­sa­men Ort allei­ne im Dunkeln auf­zu­hal­ten, aber wenn sie wütend war, blieb ihr Verstand manch­mal auf der Strecke.
   ‚Was für ein ver­damm­ter Idiotl!‘
Ihre Wut war umso hef­ti­ger, weil sie sel­ber schuld war. Sie hol­te tief Luft und beru­hig­te sich lang­sam. Ihre schnel­le Gangart hat­te sie trotz der Kälte zum Schwitzen gebracht. Ungeduldig zog sie am Reißverschluss ihrer Jacke. Sofort spür­te sie die Kälte an ihrem Hals und schloss den Kragen wie­der.
   Ein schnei­den­der Wind feg­te um die Ecken und schien alle Hamburger in ihre war­men Stuben geweht zu haben. Nicht ein­mal Hundebesitzer lie­ßen sich mit ihren Vierbeinern bli­cken. Ein ein­zi­ger Unerschrockener ver­such­te eini­ge Meter vor ihr, sei­ne wider­stre­ben­de fran­zö­si­sche Bulldogge auf die Wiese zu zer­ren. Die gro­ßen Ohren des Tieres flat­ter­ten wie auf­ge­reg­te Schmetterlinge im Wind.
   Der Sturm schob schwar­ze Wolken über den Himmel. Sie türm­ten sich bedroh­lich über ihnen. Zu allem Überfluss setz­te ein leich­ter aber eisi­ger Regen ein. Für einen Augenblick beob­ach­te­te sie abwe­send den Tanz der Hundeohren. Sie über­leg­te, ob jetzt doch der geeig­ne­te Zeitpunkt zum Umkehren wäre. Aber ihre Wut war noch nicht ver­raucht, und sie brauch­te noch etwas Bewegung. Entschlossen ging sie wei­ter. Mit fest geschlos­se­nem Jackenkragen, die Hände tief in den Taschen ver­senkt. Es zog sie ganz hin­un­ter an den Elbstrand. Ihre Gedanken eil­ten ihr vor­aus, und sie konn­te es kaum erwar­ten, den nas­sen Sand unter ihren Stiefeln zu spü­ren.

   Sie erreich­te den klei­nen Museumshafen in Övelgönne. Die ‚Bergedorf‹ schau­kel­te dort sicher ver­täut und zog an ihren Seilen. Weiße Gischt tanz­te auf den grau­en Wellen. Ein ein­sa­mer alter Segler lag neben dem Restaurantschiff. Mit auf‐ und abschwel­len­dem Kling‐Klong schlu­gen die Metallösen der Taue gegen den Mast.
   Eine ein­sa­me Bushaltestelle vor dem Anleger. Regen pras­sel­te gegen den Plexiglasverschlag, aber zumin­dest bot er eini­ger­ma­ßen Schutz vor den Elementen. Die jun­ge Frau ging mit hoch­ge­zo­ge­nen Schultern vor­bei. Sollte sie nach­her völ­lig durch­ge­fro­ren sein oder der Regen stär­ker wer­den, konn­te sie dort auf den 112er zum Altonaer Bahnhof war­ten.

   Der Weg zwi­schen Strandbars und Restaurants lag wie aus­ge­stor­ben vor ihr. Dahinter end­lich offe­nes Gelände. Links von der stür­mi­schen Elbe begrenzt und wei­ter rechts von einer ver­wit­ter­ten Steinmauer. Darüber thron­ten die Häuser mit Elbblick.
   Sie wand­te sich dem Wasser zu. Bei jedem Schritt ver­san­ken ihre Stiefel in dem nas­sen Sand. Der Wind tob­te um sie her­um. Er zerr­te an ihrer Kleidung und ihren Haaren und kleb­te sal­zi­ge Locken in ihr Gesicht. Sie strich sich die Haarsträhnen hin­ter die Ohren und blieb ste­hen. Ein gel­ber Lichtschein schim­mer­te vom gegen­über­lie­gen­den Ufer durch den Regenvorhang. Die Natriumdampflampen des Werftgeländes. Sie hat­te zu lan­ge gewar­tet und die Kälte igno­riert, die lang­sam in ihr hoch­ge­kro­chen war. Von einem Moment zum ande­ren begann sie zu frie­ren.
   Gerade woll­te sie sich umdre­hen und mit schnel­len Schritten den Rückweg antre­ten, als ihr Blick an etwas hän­gen­blieb. Ein Stück vor ihr am Ufer ver­dich­te­te sich die Dunkelheit zu einer form­lo­sen Masse, die halb von Wellen über­spült wur­de und hin­ter den Regenfluten nur undeut­lich zu erken­nen war. Sie sah genau­er hin, und ihr wur­de noch käl­ter.
   Mit einem Schlag war der war­me Bus ver­ges­sen. Sie rann­te zu der schwar­zen Form. Je näher sie kam, des­to mehr bestä­tig­te sich ihre Befürchtung. Das Strandgut hat­te mensch­li­che Umrisse.

   Atemlos nach dem Sprint knie­te sie im nas­sen Sand. Der Körper vor ihr wur­de vom Wasser hin und her bewegt. Mal ein Stück höher an den Strand, mal ein Stück zurück in die Elbe. Sie sprang wie­der auf und griff vom Kopfende unter die Arme. Es war har­te Arbeit. Die Strömung zog an der schwe­ren Kleidung, und der nas­se Sand schob sich unter dem Körper zusam­men. Endlich hat­te sie es geschafft, die Person lag am Strand.
   Keuchend ließ sie sich dane­ben in den Sand fal­len. Sie beug­te sich über den reg­lo­sen Körper. Lange blon­de Haare lagen wie Seetang auf dem blas­sen Gesicht. Als sie die Haare vor­sich­tig bei­sei­te­schob, zog sie scharf die Luft ein. Schürfwunden und Blutergüsse ver­färb­ten schein­bar jeden Quadratzentimeter der Haut. Es war kaum mög­lich, ein­zel­ne Gesichtszüge zu unter­schei­den. Die Augen waren geschlos­sen. Eindeutig war nur zu erken­nen, dass es sich um eine Frau han­del­te.
   Sie ergriff eine der ver­schmutz­ten Hände. Fast hät­te sie die Hand wie­der fal­len­ge­las­sen. Auch die Hand war zer­schun­den, ähn­lich bru­tal wie das Gesicht, und das Handgelenk stand in einem unna­tür­li­chen Winkel vom Unterarm ab. Vorsichtig ver­such­te sie den Puls zu füh­len. Sie war nicht beson­ders gut dar­in und bei die­ser Kälte mit halb erfro­re­nen Fingern schon gar nicht. Behutsam leg­te sie die Hand zurück und wühl­te in ihrer Jacke nach ihrem Handy. Mit klam­men Fingern wähl­te sie den Notruf. Während sie auf das Eintreffen von Polizei‐ und Krankenwagen war­te­te, ver­such­te sie noch ein­mal, dies­mal am Hals, einen Puls zu ertas­ten. Der Brustkorb unter der durch­näss­ten Kleidung schien sich leicht auf und ab zu bewe­gen. Oder bil­de­te sie sich das ein? Sie lausch­te nach einem Herzschlag. Frustriert rich­te­te sie sich wie­der auf. Nichts zu machen, bei dem heu­len­den Sturm und der Schicht aus kal­ten nas­sen Kleidungsstücken. Sie woll­te nicht ris­kie­ren, die Frau zu bewe­gen oder ihre Kleidung zu öff­nen. Es half nichts, sie muss­te abwar­ten. Sie hauch­te in ihre Hände und rieb sie anein­an­der. Endlich näher­ten sich Scheinwerfer und Blaulicht. Das beglei­ten­de ›tatü­ta­ta‹ schrill­te in ihren rot­ge­fro­re­nen Ohren. Weiße Scheinwerfer schäl­ten einen schma­len Streifen des Ufers aus der Dunkelheit, wäh­rend die rotie­ren­den Blaulichter die Umgebung in unwirk­li­ches Licht tauch­ten. Die Sirene ver­stumm­te nach einem letz­ten hal­ber­stick­ten Heulen. Mehrere Sanitäter waren mit einer Trage, Decken und Erste‐Hilfe‐Koffern unter­wegs zu ihr. Der Schein ihrer Taschenlampen hüpf­te vor ihnen her.
   Sie stand auf und klopf­te mecha­nisch den nas­sen Sand von ihrer Kleidung. Der zwei­te Schub der Ankommenden folg­te den Helfern. Ein hoch­ge­wach­se­ner dun­kel­haa­ri­ger Mann ging mit gro­ßen Schritten vor­aus. Sie kniff die Augen gegen die blen­den­den Taschenlampen zusam­men und sah ihnen mit aus­drucks­lo­sem Gesicht ent­ge­gen. Den Mann an der Spitze der klei­nen zivi­len Prozession hat­te sie heu­te Abend schon gese­hen. Er war der Auslöser für die Wut gewe­sen, die sie hier­her­ge­trie­ben hat­te.

   In dem Moment begann die Frau am Boden zu stöh­nen. Die jun­ge Frau zuck­te zusam­men. Sie ging in die Hocke und leg­te eine Handfläche sanft an das zer­schun­de­ne Gesicht. Die Verletzte riss die Augen auf. Panisch warf sie den Kopf hin und her und stieß abge­hack­te Worte her­vor. Die jun­ge Frau beug­te sich tie­fer zu ihr her­ab.
   »Hannah«, ver­stand sie, und als sie ihr Ohr noch ein Stück dich­ter an den Mund der Verletzten brach­te, hör­te sie etwas, das wie »Wolf» klang.
   »Hannah Wolf«.
Irgendetwas begann sich in ihrem Unterbewusstsein zu regen.

   Die Frau sah sie mit einem fle­hen­den Ausdruck in den Augen an. Dann hat­ten die Sanitäter sie erreicht und scho­ben sie freund­lich aber bestimmt zur Seite. Und damit genau in den Weg von Hauptkommissar Siegfried Adam.
   »Leo«, sag­te er und mus­ter­te sie kopf­schüt­telnd. Er sah sich schnell zu sei­nen Kollegen um und mur­mel­te: »Dass du dich lie­ber hier in der Kälte her­um­treibst, als in mei­ner war­men Bude zu blei­ben – das neh­me ich per­sön­lich!« Nach einem Blick auf die oran­ge­leuch­ten­den Rücken der Sanitäter setz­te er hin­zu: »Und natür­lich musst du dich in irgend­was ver­wi­ckeln!«
   Bevor er wei­ter­spre­chen konn­te, zisch­te die jun­ge Frau: »Erst den­ken, dann quat­schen! Sei dank­bar, wenn ich das auch tue!« Sie war lau­ter gewor­den und Adams Kollegen sahen inter­es­siert her­über.
   Er hob nur eine Augenbraue. Sie sah ihn mit zusam­men­ge­knif­fe­nen Augen an. Wartete. Bis ihre Anspannung uner­träg­lich wur­de und sich in einem def­ti­gen Fluch ent­lud.
   Er zuck­te zusam­men. Seine zwei­te Braue folg­te der ers­ten. »Interessante Ideen«, erwi­der­te er mit unbe­weg­tem Gesicht. »Bevor wir an die Umsetzung gehen, müs­sen wir nur erst ein paar Fakten auf­neh­men…«
   Sie hob eine Hand halb, ließ sie aber resi­gniert wie­der sin­ken.
»Lass es raus«, flüs­ter­te er, »hau mir eine run­ter! Das geht durch unter hys­te­ri­sche Zeugin
   »Führe mich nicht in Versuchung!«, ent­geg­ne­te sie gepresst.
Mit einem knap­pen Kopfnicken bedeu­te­te er ihr zu war­ten.
   Adam trat an ihr vor­bei zu den Sanitätern. Der Notarzt blick­te auf. Die Verletzte war wie­der bewusst­los gewor­den.
   »Ich kann vor Ort nicht viel zu ihrem Zustand sagen«, kam er Adams Frage zuvor, »dafür muss ich sie gründ­lich unter­su­chen. Im Krankenhaus. Aber vor­her muss drin­gend ihre Körpertemperatur ange­ho­ben wer­den!«
   Die Sanitäter hüll­ten die Frau in Thermodecken und hoben sie vor­sich­tig auf die Trage. Innere Verletzungen hat­te der Arzt vor­läu­fig nicht fest­stel­len kön­nen.

   Leo fror. Sie hol­te tief Luft. Es hat­te kei­nen Sinn, sich auf­zu­re­gen. Wichtiger war, fest­zu­hal­ten, was am Rande ihres Bewusstseins auf­ge­taucht war, nach­dem die Frau ihren Namen genannt hat­te. Zumindest ging sie davon aus, dass es ihr Name war. Hannah Wolf, wo hat­te sie das vor nicht all­zu lan­ger Zeit gehört?

ZWEI WOCHEN VORHER

Langsam erklomm Eva Leonora Johann die weni­gen Stufen zu der Buchhandlung in Ottensen. Gegenüber war gera­de Markt, und sie schlepp­te zwei vol­le Taschen. Gemüse und Obst, schein­bar ver­lang­te ihr Körper nach Vitaminen. Aber auch Brot, Käse und Aufschnitt. Sie ärger­te sich, dass sie mehr gekauft hat­te als geplant. Und jetzt womög­lich noch ein Buch.
   Die Kunstpostkarten vor dem Schaufenster streif­te sie nur mit einem flüch­ti­gen Blick. Sie betrat das Geschäft. Schon wäh­rend sie die Glastür hin­ter sich schloss, spür­te sie es. Ein erwar­tungs­vol­les Kribbeln. Langsam wand­te sie sich um.
   Rechts der Tresen mit der Kasse. An den Wänden Regale vol­ler Bücher. Ein Mikrokosmos aus Papier und Tinte. Milliarden gebän­dig­ter Buchstaben, fest­ge­hal­ten von Druckerschwärze auf gepress­ten und ver­leim­ten Holzfasern.
   Wie gewohnt wand­te sie sich zuerst nach links. Zu den Neuerscheinungen im Krimiregal. Sie stell­te ihre Taschen ab und begann die Titel zu über­flie­gen. Eine der Verkäuferinnen näher­te sich mit einem Lächeln. Leo war oft hier. Seit den Ereignissen, die ihr Leben vor weni­gen Monaten auf den Kopf gestellt hat­ten, ver­schlang sie alles, was Spannung und damit Ablenkung ver­sprach. Die Verkäuferin begrüß­te sie. Ihr war anzu­se­hen, dass sie nach­dach­te. Plötzlich hell­ten ihre Züge sich auf.
   »Ich glau­be, ich habe etwas für Sie! Es gibt ein neu­es Buch von Katharina Hofmann. Das könn­te Ihnen gefal­len!«
   Leo hob die Augenbrauen.
»Werfen sie ein­fach einen Blick auf den Klappentext. Ich habe es zwar selbst noch nicht gele­sen, aber es wird viel gekauft. Eine Kundin hat gesagt, sie konn­te es nicht aus der Hand legen, bis es zu Ende war.« Die Verkäuferin hat­te das Buch mit einem geziel­ten Griff her­aus­ge­sucht und drück­te es Leo in die Hand.
   Leo über­flog die Inhaltsangabe. Tatsächlich, es schien einen Versuch wert zu sein. Sie war immer noch auf der Suche nach einer Geschichte, die ihre eige­nen Erlebnisse in den Schatten stel­len konn­te. Das, womit die Protagonistin Hannah Wolf in die­sem Buch laut Klappentext zu kämp­fen hat­te, hör­te sich viel­ver­spre­chend an.